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Bei der visuellen
Kommunikation kommt dem Rednerpult - als Symbol der politischen und religiösen
Machtdemonstration - eine große Bedeutung zu. Einerseits bietet
es dem Redner Schutz, andererseits betont es die obere Körperhälfte,
die für Mimik und Gestik zur Unterstützung der Rede wichtig
ist. Besonders die mediale Inszenierung von Politik kommt kaum noch ohne
ein Rednerpult aus. Je größer es ist und je mehr Mikrofone
auf ihm stehen - also je aufwändiger die Inszenierung - desto größer
ist meist die Differenz zum Inhalt der Rede.
Der Titel "Die große Rede" verweist auf die Rede selbst,
er läßt den Redner in den Hintergrund treten. Gleichzeitig
bietet er unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten: Ist er einfach
nur ironisch gemeint, braucht es eine "geistige Größe",
um hier eine Rede zu halten? Oder erinnert er an große Reden der
Zeitgeschichte, so dass das Werk gleichzeitig Denkmal und Mahnmal ist?
Dieses überdimensionierte Rednerpult aus rostfreiem Edelstahl steht
auf dem Hauptverbindungsweg zwischen Innenstadt und Bahnhof. Aus dem quadratischen
Podest von 4 x 4 Metern ragt es 2,60 Meter in die Höhe. Die vielen
poppig bunten Mikrofone mit ihrer "Verkabelung" ebenfalls aus
Edelstahl sind schon von weitem sichtbar. Es erweckt den Anschein, als
ob eine Ansprache kurz zuvor stattgefunden hat oder demnächst statt
finden wird. Einladend führen Treppen auf das Podest. Wer dieser
Einladung jedoch folgt, hat es schwer eine Rede zu halten, da er im wahrsten
Sinne des Wortes hinter dem Rednerpult steht und komplett von ihm verdeckt
wird. Treppe und Geländer entsprechen handelsüblichen Normen,
bei der Gestaltung von Pult und Mikrofonen greift Dragan Lovrinovc die
Maßstabsvergrößerung der Pop Art auf.
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